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nicht-afrikanische lebensweise erstrebenswert - 15/06/2005 17:13 was mir von anfang an ins auge sticht, ist die tatsache, dass eine sehr unafrikanische lebensweise als erstrebenswert (für die neureichen nigerias, die sich gegen das eigene volk stellen) oder das gegenteil (für richtig denkende nigerianer?) hingestellt wird.

nicht-afrikanisch schon allein im hinblick auf das gebäude, die einrichtung (etagere mit figürchen!!), wobei bei mir das wort "etagere" allein schon kindheitserinnerungen auslöst...

das regelwerk, das den tagesablauf kontrolliert, die abgrenzung zu allem, was ausserhalb abläuft - soll es den europäischen lebensstil wiedergeben?

schwierig ist für mich immer, ein buch in etappen zu lesen, weil die zusammenhänge fehlen.

gerade was diese spekulation angeht, kommen viel später neue indizien dazu, die meinen verdacht erhärten.
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Re:nicht-afrikanische lebensweise erstrebenswert - 16/06/2005 10:01 > was mir von anfang an ins auge sticht, ist die tatsache, dass eine sehr unafrikanische lebensweise als erstrebenswert (für die neureichen nigerias, die sich gegen das eigene volk stellen) oder das gegenteil (für richtig denkende nigerianer?) hingestellt wird.

du meinst die Autorin findet das selbst erstrebenswert?

> das regelwerk, das den tagesablauf kontrolliert, die abgrenzung zu allem, was ausserhalb abläuft - soll es den europäischen lebensstil wiedergeben?

ich denke nicht, dass das europäisch sein soll, will die Autorin denn afrikanisch gegen europäisch darstellen? so lese ich das nämlich nicht unbedingt

> schwierig ist für mich immer, ein buch in etappen zu lesen, weil die zusammenhänge fehlen.

deswegen meinte ich ja auch, dass dieses Buch sich für solche Etappen nicht gut eignet, sondern dass es einfacher ist, wenn man mehr gelesen hat, darüber zu diskutieren
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Re:nicht-afrikanische lebensweise erstrebenswert - 16/06/2005 10:55 ich hatte nicht den eindruck dass die autorin die unafrikanische lebensweise von eugene und seiner familie erstrebenswert findet. Sie beschreibt damit nur seine Einstellung, alles so zu machen wie die Missionare und alles afrikanische abzulehnen.

Sie zeigt ja später wie realitätsfremd eine solche Lebensweise ist, als die Kinder bei Ifeoma in den Ferien sind, und grosse Mühe haben sich im normalen Alltag zu behaupten.
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Re:nicht-afrikanische lebensweise erstrebenswert - 16/06/2005 12:30 ich habe purple hibiscus gelesen und ich fand es sehr realistisch. meine kinder sind in dieser altersgruppe und auch in einem aehnlichen sozialen umfeld. meine tochter ist 17, und seit kurzem mit der secondary school fertig. wir sind keine igbos und meine mann ist auch kein katholik, wir beide sind keine kirchgaenger. aber er erwartet von seiner tochter dass sie regelmaessig die katholische messe besucht. abends weggehen, mit einem jungen allein zu sein, ist ein tabu hier. die moral wird hier sehr hoch gesteckt. mein mann war jahrelang in deutschland, er weiss wie es in europa ablaeuft, aber er erklaert mir immer, wir sind hier, sie kann nicht so frei sein wie in europa.
meine tochter ist nicht so eingesperrt wie dieses maedchen. sie jobbt zur zeit, kauft ihre kleidung auf dem markt wie die anderen jungen maedchen auch und macht auch dort ihre haare.
trotzdem muss ich sagen dass in nigeria die sozialen unterschiede sehr ausgepraegt sind.
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Re:nicht-afrikanische lebensweise erstrebenswert - 16/06/2005 14:29 > meine mann ist auch kein katholik, wir beide sind keine kirchgaenger. aber er erwartet von seiner tochter dass sie regelmaessig die katholische messe besucht

wie begründet er das? ist eurer ganzes Umfeld katholisch und die setzen moralisch mit katholisch gleich oder wieso ist der Kirchbesuch notwendig? wenn ich dich richtig verstehe soll er ja beweisen, dass sie sich moralisch "gut" verhält , bzw. sie darin stärken sich so zu verhalten?
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Re:nicht-afrikanische lebensweise erstrebenswert - 16/06/2005 15:15 ich meine, eugene und andere neureiche finden es erstrebenswert, die autorin aber nicht.

es gibt im haus auch kein lachen, also das "typisch afrikanische" ist weg.

afrikaner haben locker und lustig zu sein, nicht trocken und ernst wie europäer.

es ist auch die einrichtung im haus europäisch. "echte" afrikaner haben doch keine porzellanfigürchen! es ist doch wohl die darstellung einer importierten lebensweise, wobei ich das windelweichprügel von frau und kindern nicht als was "typisch europäischisches" sehe.

es wird dafür auch durchgehend prinzipiell als gut und richtig empfunden, man findet für den armen eugene immer wieder eine ausrede.

zum thema kirchgang:

mein mann ist katholisch und hat bei seinen kindern NIE auf einen kirchgang bestanden. er selber geht auch nicht.

@sade83:

hohe moralvorstellungen oder der anspruch, von anderen als "moralisch" eingestuft zu werden sind aber nicht gleichbedeutend mit verprügeln und anderen perversen foltermethoden (die ja auch von weißen missionar eingeführt wurden, geht man nach adichie).

geschichtliche tatsache ist aber, dass es volksgruppen in nigeria gibt, die deswegen bildungsmäßig weit nachhinken, weil sie sich geweigert haben, ihre kinder in die missionsschulen zu schicken, weil sie dort verprügelt wurden.

das heißt nun nicht, dass sie zu hause nicht verprügelt wurden, aber es war ein privileg der älteren familienmitglieder, ein kind zu verprüglen und stand einem fremden nicht zu.

was mich immer wieder fasziniert, ist diese spaltung , eine art skizophrene weltanschauung, in der einerseits das traditionelle als gut und richtig hochgehalten wird, andererseits jeder anstrebt, europäisch zu leben, obwohl das ja schlecht ist. es soll einem doch angeblich jede lebensfreude nehmen... (im buch von wiwa "in the shadows of a saint" sieht man diesen trend auch sehr deutlich)
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