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Iweala - Beasts of no Nation -Sprache - 17/03/2008 20:58 Dieses Pseudo-Pidgin, in dem der Roman gehalten ist, erinnert mich in seinem Singsang sehr stark an die Sprache der Kindersoldaten in Liberia.

Dieses sehr harte liberianische Pidgin wird von Iweala in scheinbar "kindliches" Englisch übersetzt - das liberianische Pidgin selbst würde ja kaum von "normalen" Englischsprachigen verstanden werden.

Hier hat es aber einen Haken - Agu soll das Kind eines Lehrers sein, mit Büchern und der Liebe zu Büchern aufgewachsen sein, soll schon sehr früh gelesen haben(Englisch wohlgemerkt!)

Verliert ein Kind, das zum Kindersoldaten gemacht wird, seine sprachlichen Fähigkeiten?

Für die liberianischen Kindersoldaten ist ihr Pidgin eindeutig Muttersprache, kein kindliches, unbeholfenes Englisch. Es wird von Menschen der unteren Klassen, meist von ungebildeten Stadtleuten, gesprochen.

Was ist es im Roman Iwealas?
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Re:Iweala - Beasts of no Nation -Sprache - 18/03/2008 08:41 Verliert ein Kind, das zum Kindersoldaten gemacht wird, seine sprachlichen Fähigkeiten?

Man kann auch eine andere Frage formulieren:

Gewinnt ein Kind, dem jeden Abend aus der Bibel vorgelesen wird und das - wenn auch noch so eifrig - die Schule in einem westafrikanischen Dorf besucht, die Fähigkeit, Englisch in grammatikalisch korrekter Form zu sprechen?

Nicht zwangsläufig, würde ich sagen.
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Re:Iweala - Beasts of no Nation -Sprache - 18/03/2008 10:02 Johanna schrieb:
Dieses Pseudo-Pidgin, in dem der Roman gehalten ist, erinnert mich in seinem Singsang sehr stark an die Sprache der Kindersoldaten in Liberia.

kannst du mal die Stellen zitieren, die du meinst? ich weiß so nämlich nicht, was du meinst

hast du die englische Ausgabe gelesen oder die deutsche?
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Re:Iweala - Beasts of no Nation -Sprache - 18/03/2008 20:37 Helga schrieb:
Verliert ein Kind, das zum Kindersoldaten gemacht wird, seine sprachlichen Fähigkeiten?

Man kann auch eine andere Frage formulieren:

Gewinnt ein Kind, dem jeden Abend aus der Bibel vorgelesen wird und das - wenn auch noch so eifrig - die Schule in einem westafrikanischen Dorf besucht, die Fähigkeit, Englisch in grammatikalisch korrekter Form zu sprechen?

Nicht zwangsläufig, würde ich sagen.


Nein, nicht zwangsläufig.

Ich würde aber sagen, es behindert die Freude am Lesen, wenn man der gelesenen Sprache nicht mächtig ist.

Kinder, die Englisch nicht in auseichendem Maße sprechen um das Gelesene auch zu verstehen, müssen zum Lesen meist eher gezwungen werden, weil es ihnen nichts "gibt", und die Leseerfolge sind dann auch nur mäßig.

Noch was zum Pidgin:

Iwealas Versuch, ein sehr weit vom Schulenglisch entferntes Pidgin zu übersetzen, endet damit, dass Pidgin dadurch zu etwas verkommt, das es nicht ist, nämlich zu einer unbeholfenen Halbsprache.

Kein normales Kind in diesem Alter ist unfähig, seine Muttersprache flüssig zu sprechen.
Was Agu spricht, ist ein Gebrabbel, halb Englisch, halb Sonstwas, aber niemandes Muttersprache.

Es ist wohl meine Liebe zu Pidgin als einer Muttersprache, die es für viele Westafrikaner ist (nicht die Fernsehversion, in der damit nur -oft recht derbe-Späße gemacht werden), die mich mit Iwealas eingeenglischter Version einfach Probleme haben läßt.

Eigentlich müsste man eine fließend gesprochene Sprache, eine Muttersprache, wenn überhaupt, in eine andere fließend gesprochene Sprache übersetzen (in diesem Fall in gutes Englisch). Dadurch verliert sie allerdings ihre Eigenheiten.

Pidgin einfach nur zu einer "kindlichen" tölpelhaften Variante des Englischen degradiert zu sehen, ist für mich recht unerfreulich.

Aber zurück zum Thema "Bücherwurm":

Mir scheint es schon so, als würde der Eifer zu lesen und die Liebe zu Büchern einfach nur als Sympatieträger dienen, den der afrikanische Schriftsteller, der in erster Linie für den westlichen Markt schreibt, seinen Helden bewusst oder unbewusst anheften MUSS, unabhängig davon, ob das zur Figur passt oder nicht, ganz so als würde dieser afrikanische Held nur dadurch geadelt.

Agu , dessen Muttersprache Pidgin ist, könnte doch auch ein ganz normales Kind gewesen sein, aus einer bildungsfernen Familie, wie es die meisten sind.

Oder würde er dadurch an Wert verlieren?
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Re:Iweala - Beasts of no Nation -Sprache - 18/03/2008 20:46 Johanna schrieb:
Ich würde aber sagen, es behindert die Freude am Lesen, wenn man der gelesenen Sprache nicht mächtig ist.

Kinder, die Englisch nicht in auseichendem Maße sprechen um das Gelesene auch zu verstehen, müssen zum Lesen meist eher gezwungen werden, weil es ihnen nichts "gibt", und die Leseerfolge sind dann auch nur mäßig.


Das war doch gar nicht meine Frage.

Einen englischen Text zu verstehen und selbst grammatikalisch einwandfreies Englisch zu sprechen sind zwei verschiedene Dinge - letzteres ergit sich nicht zwangsläufig aus ersterem.


Mir scheint es schon so, als würde der Eifer zu lesen und die Liebe zu Büchern einfach nur als Sympatieträger dienen, den der afrikanische Schriftsteller, der in erster Linie für den westlichen Markt schreibt, seinen Helden bewusst oder unbewusst anheften MUSS, unabhängig davon, ob das zur Figur passt oder nicht, ganz so als würde dieser afrikanische Held nur dadurch geadelt.

Agu , dessen Muttersprache Pidgin ist, könnte doch auch ein ganz normales Kind gewesen sein, aus einer bildungsfernen Familie, wie es die meisten sind.

Oder würde er dadurch an Wert verlieren?


Die ganze Geschichte würde dadurch verlieren. Es ist nämlich nicht ohne Bedeutung ,welche Geschichten dem Jungen erzählt und welche ihm vorgelesen weden. Da ist von Kain und Abel die Rede, von Hiob, es geht um Grausamkeiten, es geht um Kampf, Krieg, Kämpfer und Krieger - lange bevor und in ganz anderer Weise, als er später selbst zum Krieger wird, was er sich als Kind wünscht, amüsiert, verständnisvoll und fast neidisch beobachtet von den Erwachsenen.

Agu selbst würde auch verlieren, denn sein Ehrgeiz, seine Perspektive, seine Träume - er will Ingenieur oder Arzt werden - sind von großer Bedeutung für ihn und die Geschichte.

Post geändert von: Helga, am: 18/03/2008 20:48
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Re:Iweala - Beasts of no Nation -Sprache - 18/03/2008 20:53 Johanna schrieb:
Noch was zum Pidgin:

Iwealas Versuch, ein sehr weit vom Schulenglisch entferntes Pidgin zu übersetzen, endet damit, dass Pidgin dadurch zu etwas verkommt, das es nicht ist, nämlich zu einer unbeholfenen Halbsprache.

Kein normales Kind in diesem Alter ist unfähig, seine Muttersprache flüssig zu sprechen.
Was Agu spricht, ist ein Gebrabbel, halb Englisch, halb Sonstwas, aber niemandes Muttersprache.

Es ist wohl meine Liebe zu Pidgin als einer Muttersprache, die es für viele Westafrikaner ist (nicht die Fernsehversion, in der damit nur -oft recht derbe-Späße gemacht werden), die mich mit Iwealas eingeenglischter Version einfach Probleme haben läßt.

Eigentlich müsste man eine fließend gesprochene Sprache, eine Muttersprache, wenn überhaupt, in eine andere fließend gesprochene Sprache übersetzen (in diesem Fall in gutes Englisch). Dadurch verliert sie allerdings ihre Eigenheiten.

Pidgin einfach nur zu einer "kindlichen" tölpelhaften Variante des Englischen degradiert zu sehen, ist für mich recht unerfreulich.



Ich glaube, man wird Iweala und seinen Intentionen nicht gercht, wenn man die von ihm verwendete Sprache als Pseudo-Pidgin ansieht.

In einem Interview mit Robert Brinbaum ( http://www.themorningnews.org/archives/birnbaum_v/uzodinma_iweala.php ) äußert er sich zum Thema Sprache sehr viel differenzierter:

RB: What would you call the language, pidgin English?

UI: It’s not quite pidgin English. It’s based loosely on the way that people speak, or that I’ve heard people speak, in Nigeria. So it’s an adaptation of pidgin English. [When] pidgin English [is] spoken, a lot of the time, you can’t really understand what people are saying. It’s like a completely different language. This adaptation is designed to show how people speak day-to-day—more often adapted English filled with local expressions.

RB: Did you have a concern about rendering a specific language with total accuracy?

UI: With the language there wasn’t complete accuracy.

RB: Could there be?

UI: You could write a text if you follow—there are all sorts of pidgin-English dictionaries and whatnot that you could use and follow. The thing with pidgin English is that it is also an adaptable language. It’s one that changes with the times and situations. When I was writing, I wasn’t trying to be accurate and have my characters speak in pidgin English. I just wanted to put out a general idea of the way the language was structured.
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