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Iweala: Beasts - Lieblingssätze - 19/03/2008 09:08 Mich haben immer wieder einzelne Sätze im Buch tief berührt.

Ich habe sie nicht mehr einzeln in Erinnerung, werde aber das Buch noch einmal durchblättern und sie heraussuchen.

Vielleicht können wir gemeinsam in diesem Thread sammeln. Schön wäre, wenn diejenigen mit der englischen Ausgabe das Original ergänzen könnten.

Ich beginne mal mit dem letzten Satz des Romans:

"Ich bin das alles, aber ich hab auch mal eine Mutter gehabt, und die hat mich geliebt."

Den habe ich übrigens selbst auf Englisch gefunden:

"I am all of this thing, but I am also having mother once, and she is loving me."

Post geändert von: Helga, am: 19/03/2008 10:30
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Re:Iweala: Beasts - Lieblingssätze - 20/03/2008 11:57 Als Beispiel dafür, wie eindringlich Iweala mit einfachster Sprache die liebevolle, geborgene Atmosphäre im Agus Elternhaus wiedergibt:

"Ich hab immer auf ihrem Schoß gesessen, auf unserm Lieblingssuhl, und wir haben auf die kleinen kleinen Buchstaben auf den Seiten geschaut. Sie liest über meine Schulter hinweg, und ich spür ihre Lippen ganz dicht an meinem Ohr, wie sie jedes Wort sagt."

(Seite 35)
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Re:Iweala: Beasts - Lieblingssätze - 20/03/2008 12:08 "Wer Kommandant sieht, weiß sofort, das ist sehr großer Mann, wo der Krieg doch die meisten Männer klein wie Kinder macht und die Kinder klein wie Babys".

Wieder: einfachste Sprache, aber eine Aussage, die hängenbleibt, die mir nicht aus dem Kopf geht.

Und die andere Sätze und Stellen im Roman in Erinnerung ruft; zum einen eine etwas weiter vorne im Roman, wo es darum geht, dass die Kinder im Dorf Soldat spielen und von den kleinen Kinder bewundert werden, von den Erwachsenen auch in gewisser Weise beneidet. Wo es dann heißt:

"Das haben wir immer gespielt, weil wir haben gedacht, Soldat sein wär das Beste auf der Welt, weil Gewehr sieht so stark aus und mächtig, und auch die Männer im Kino sehn immer stark aus und mächtig, wenn sie jemand erschießen, aber jetzt weiß ich, Soldat sein ist nicht stark sein, sondern schwach, und kein Essen haben und nciht essen können, was man mag, und daß dir dauern jemand sagt, man soll Sachen machen, die man nicht machen will, und daß man nie so Sachen machen kann, die man will, so Sachen die die Männer im Kino."

(Seite 41)

Und dann eine Satz am Ende des Romans, im letzten Kapitel, Agu beschreibt sein Verhältnis zu Amy, der Betreuerin in der Rehabilitationseinrichtung:

"Sie sagt, ich soll reden, reden, reden, weil sie denkt, ich bin wie Baby, weil ich nicht red. Das ist dumm. Wenn das stimmt, dann red ich nicht, weil Babys eben nicht reden können, nur deshalb. Aber immer, wenn ich bei ihr sitz, denk ich, ich bin wie alter Mann und sie ist wie kleines Mädchen, weil ich war im Krieg, und sie weiß nicht mal, was Krieg ist."

(Seite 153)
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Re:Iweala: Beasts - Lieblingssätze - 20/03/2008 12:13 "Sie sagt immer, ich soll Gott fürchten und am Sontag in die Kirche gehn, aber jetzt weiß ich nicht mal mehr, wann Sonntag ist."

Noch so ein Musterbeispiel dafür, wie nicht nur trotz, sondern gerade durch die einfache Sprache eine besondere Eindringlichkeit erzeugt wird. Jetzt weiß ich nicht mal mehr, wann Sonntag ist - keine seitenlangen Ausführungen über Glaubenszweifel hätten das Gefühl der Verlorenheit, des Verlusts von Gewissheit und Zuversicht, besser wiedergeben können.

Post geändert von: Helga, am: 20/03/2008 12:14
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Re:Iweala: Beasts - Lieblingssätze - 20/03/2008 15:42 Seite 63:

"Zeit vergeht. Zeit vergeht nicht. Tag wird Nacht. Nacht wird Tag. Wie kann ich wissen, was passiert? Ein Tag ist alles okay, auch wenn wir im Krieg sind, und den nächsten Tag killen und plündern wir wieder überall. Wie soll ich da wissen, was alles mit mir passiert? Wie denn?"

Das ist eine der Stellen, an der das Ausgeliefertsein, von dem ich gerade im "Titel-Thread" im Zusammenhang mit der Tatsache sprach, dass alles aus Agus begrenzter Perspektive beschrieben wird, ohne inirgendwelche Erläuterungen zum politischen oder militärischen Hintergrund eingebettet zu werden, sehr deutlich wird. Außerdem eine der Stellen, an der die einfache Sprache höchst poetisch wirkt.

Post geändert von: Helga, am: 20/03/2008 15:47
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Re:Iweala: Beasts - Lieblingssätze - 20/03/2008 15:57 "Aber eigentlich warten hier alle nur auf den Tod, und das macht mich traurig. Ich will aber nicht traurig sein, weil wenn du traurig bist, dauerts nicht mehr lang und du bist verrückt. Und wenn Du verrückst bist, kannst du nicht mehr kämpfen. Also darf ich nicht traurig sein, weil dann kann ich nicht kämpfen, und entweder sterb ich dann, oder Kommandant bringt mich um."

(Seite 87)

Mich fasziniert, wie es Iweala gelingt, die Verdrängungsmechanismen aufzuzeigen, die sich des Jungen bemächtigen. Ohne sie direkt zu erläutern und zu interpretieren, einfach durch derart simple Sätze.

Post geändert von: Helga, am: 20/03/2008 16:53
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