Es ist eben so- als Begründung reicht aus. - 11/06/2005 10:25Einen Abschnitt, den ich mir sofort angemarkert habe, ist folgender auf S. 53 We spent every Christmas in our hometown. Sister Veronica called it the yearly migration of the Igbo. She did not understand, [....] why many Igbo people built huge houses in their hometowns, where they spent only a week or two in December, yet were content to live in cramped quarters in the city the rest of the year. I often wondered why Sister Veronica needed to understand it, when it was simply the way things were done.
Dieses Akzeptieren von "das ist eben so", zieht sich m.M. durch das bisherige Buch (ca. S. 70). Der Vater akzeptiert oder hat verinnerlicht, dass die weißen eben immer recht haben. Kambili und ihr Bruder akzeptieren ohne Nachfragen, dass ihr Vater immer Recht hat - und das nicht er sich bei Mama wegen der durch sein Prügeln ausgelösten Fehlgeburt entschuldigen muss, sondern sie sich bei ihm. Mama akzeptiert, dass sie sein Prügelbock ist und er der Herrscher (ohne Anführungszeichen) in der Familie.
Nachfragen und daraus resultierend das "Verstehenwollen", taucht im Buch in der Kernfamilie überhaupt nicht auf.
Die Frage ist, ist es "generell" so- also auch in Euren Familien, egal ob das die deutsch-deutsche Herkunftsfamilie oder die jetzige Kernfamilie ist, dass wenig gefragt wird?
Oder kommt auch oft, das Argument, dass wird eben so gemacht und das muss man doch auch mal akzeptieren können. Wie ist es mit euch als europäischem Part: bringt ihr diese Argumente auch?
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nirtak
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Re:Es ist eben so- als Begründung reicht aus. - 12/06/2005 22:25Wenn man ein Kind ist, dann sind die Eltern das Vorbild und es ist alles richtig was sie machen. Man fühlt sich geborgen und sicher, hält die Eltern für erfolgreich und klug und nimmt ihre Ansichten auf. Später in der Pubertät schwenkt sich dies dann oft um und eine Phase der Rebellion und des hinterfragens beginnt. Bei uns in der Schweiz wird ein Kind ermutigt selber zu denken und seinen eigenen Standpunkt und Interessen zu vertreten. Es wird als Individuum angesehen.
In nigeria funktionniert das gesellschaftliche leben anders, der mensch wird viel mehr als ein teil einer familie bzw. einer Gruppe gesehen. Mein Mann hat mir gesagt, dass ein Kind als frech gilt wenn es der Meinung der Eltern widerspricht. Hier sind die Eltern eher stolz, so im sinne von: mein Kind hat eine eigene Meinung.
Ich habe beim lesen immer den impuls gespürt: kambili, mach doch mal was, denk doch mal nach!
Vielleicht ist es in Nigeria nicht gut wenn man zu viel hinterfragt, weil du viel mehr mit überleben zu tun hast und gewisse Dinge wie Korruption oder so als gegeben hinnehmen musst um weiterzukommen.
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joan
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Re:Es ist eben so- als Begründung reicht aus. - 13/06/2005 20:29du meinst, wenn man vom vater geprügelt wird bis auf die knochen, weil man in der schule zweiter wurde, fühlt man sich geborgen und sicher?
familien wie die im buch beschriebene gibt es auch hier in europa.
ich bin der meinung, die autorin kreidet dieses brutale familienleben indirekt der weißen an, es ist nicht die ursprüngliche form des familienlebens, das als eher locker, voll gesang und gelächter dargestellt wird.
das erzkatholische, alles heitere, schöne ablehnende kam durch die missionare nach nigeria.
das buch führt jede menge nigerianische geschichte vor, und ganz besonders die durch die missionare geprägte, veränderte gesellschaft.
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Anna
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Re:Es ist eben so- als Begründung reicht aus. - 14/06/2005 07:05> ich bin der meinung, die autorin kreidet dieses brutale familienleben indirekt der weißen an, es ist nicht die ursprüngliche form des familienlebens, das als eher locker, voll gesang und gelächter dargestellt wird.
wobei das in Wirklichkeit ja sicher auch nicht so einseititg positiv ist, also ich habe ja immer das Problem, dass ich Nigeria nicht kenne und das dann immer mit meiner Sicht von Ghana vergleiche und Ghana und Nigeria eben nicht deckungsgleich sind aber aus ghanaischer Sicht würde ich sagen, dass die urspüngliche Form des Zusammenlebens durchaus auch harte Regeln hat
> das erzkatholische, alles heitere, schöne ablehnende kam durch die missionare nach nigeria.
wie sieht das mit den Christen in Nigeria überhaupt aus, überwiegt der Katholizismus? (das wäre wiederum ein Unterschied zu Ghana)
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Anna
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Re:Es ist eben so- als Begründung reicht aus. - 14/06/2005 07:11> Dieses Akzeptieren von "das ist eben so", zieht sich m.M. durch das bisherige Buch
das würde ich auch durchaus als typisch "afrikanisch" ansehen, man akzeptiert, was eine Person, die z.B. älter ist, sagt, bzw. man widerspricht nicht, fragt nicht warum, zeigt den Respekt durch keine Widerworte, ob man letztendlich das macht, was gewünscht ist, das ist dann immer noch ein anderes Thema, ich habe es dann oft so erlebt, dass man später anders handelt aber dem Anderen nicht ins Gesicht sagt, was man für falsch hält, der Respekt letztendlich also nur vordergründig ist, der Respekt auf dem Alter gründet und nicht auf dem Handeln des Älteren etc.
ich habe damit ein Problem
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joan
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Re:Es ist eben so- als Begründung reicht aus. - 14/06/2005 15:39ghana und nigeria sind denke ich schon deckungsgleich, in dem beide sehr vielfältige kulturen haben.
ich kenne den von adichie beschriebenen alltag schon, besonders den auf dem universitätscampus.
erzkatholoisch sind in nigeria großteils die igbos, katholisch auch andere, aber eher so wie hier, ohne rosenkranzgebete von früh bis spät und ohne brutale kinder (?)erziehung, wobei der hang zur recht groben behandlung von kindern wohl allgemein verbreitet ist.
was das akzeptieren angeht, da habe ich meine meinung ja bisher zurückgehalten.
es wird allgemein angenommen, das sei typisch afrikanisch.
wäre es aber real so, dass nigerianer "akzeptierer" sind, hätte ein politisches system wenigstens eine chance.
nigerianer sind alles andere als akzeptierer, sie sind querulanten, stänkerer, ewige, notorische opponierer.
im buch sieht man auch deutlich das paradox, dass sich der vater zwar gegen den großvater stellt, von seinen kindern aber absolute loyalität verlangt.
was in dem buch und auch in der realität abläuft, ist ganz einfach die macht des stärkeren.
die mutter hätte wohl den brutalen mann verlassen können, hätte dann aber ihren lebensstandard verloren.
auch in ihrem fall ist das akzeptieren sehr berechnend.
die von ihr gewählte methode damit fertig zu werden wird sonderbarerweise von der autorin als moralisch richtig angesehen, aber da sind wir schon eher beim schluß---
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